Umfrage zur Situation der Archive in Sachsen: Personal

Landesverband Sachsen, Personal

Was gehört zu den Aufgaben eines Archivars / einer Archivarin?

Wie weit und anspruchsvoll das Spektrum ist, zeigen die Aufgabenkataloge, die der VdA-Unterarbeitskreis „Archivarische Fachaufgaben“ erarbeitet hat. Dazu gehören: Organisations- und Archivmanagement (u. a. Strategieplanung zu Finanzen, Personal, Arbeitsschwerpunkten; archivspezifische IT-Planung, Entwicklung von Raumkonzepten, Personalführung), Überlieferungsbildung (u. a. Beratung der abgebenden Stellen bei der analogen wie digitalen Schriftgutverwaltung, Bewertung angebotener Unterlagen auf Archivwürdigkeit, Betreuung von Sammlungen), Erschließung (Ordnung und Verzeichnung von Archivgut, sammlungsspezifische Erschließungskonzepte), Benutzung und Auskunftstätigkeit (u. a. Lesesaalbetrieb, Beantwortung von Anfragen, Benutzerberatung, Gutachtertätigkeit), Öffentlichkeitsarbeit und Historische Bildungsarbeit  (u. a. Projekte der Historischen Bildungsarbeit z. B. mit Schulen, Intra- und Internetauftritte, Publikations- und Vortragstätigkeit), Bestandserhaltung und Magazinierung (Priorisierung von Bestandserhaltungsmaßnahmen, Ausheben und Reponieren von Archivgut, technische Bearbeitung von Archivgut, digitale Bestandserhaltung).

Vielfältige Aufgaben – und wie viel Personal steht in den sächsischen Archiven dafür zur Verfügung? Sehr wenig! In Zahlen:

Auf die Frage „Über wie viele unbefristet besetzte Personalstellen verfügt Ihr Archiv? (ohne Personal für Verwaltungsschriftgut inkl. Bau- und / oder Patientenakten)“ antworteten zwei Drittel der 77 teilnehmenden Archive „bis 2“:

Zu Recht moniert wurde in Kommentaren, dass diese niedrigste Spanne zu weit angesetzt war. Näher an der Realität wäre eine Auswahlmöglichkeit zwischen „unter 1 (da nur Teilzeit)“, „1“ und „2“ gewesen, siehe die Kommentare unten.

Und alarmierender noch: Archive sind auf Wachstum angelegte Einrichtungen, zudem sind zu den bisherigen Aufgaben mit der Digitalisierung anspruchsvolle neue Aufgaben hinzu gekommen. Aber: Auf unsere Frage nach der Entwicklung der Zahl des fest angestellten Personals zwischen 2010 und 2016 antwortete ein Viertel der 80 teilnehmenden Archive: „ist gesunken“. Nur bei 7,5% war die Zahl gestiegen.

Hierzu Stimmen aus den Kommentarfeldern der Umfrage:

  • „Das Archiv wird von einer Mitarbeiterin der Stadtverwaltung für 1 Tag pro Woche geführt. Die Stelle ist nach Ausscheiden der letzten Mitarbeiterin nicht mehr besetzt worden.“
  • „Archiv ist durch Teilzeitstelle besetzt und umfasst Verwaltungsregistratur und Endarchiv inkl. Bauakten, Fotos, Pläne, Personenstandsunterlagen und und und.“
  • „Wird in der Woche nur 2 Stunden verwaltet, es wäre wünschenswert, wenn dafür mehr Zeit zur Verfügung stehen würde.“
  • „Die Angaben zur Personalanzahl sollte mit ‚1‘ ergänzt werden, da in zahlreichen Archiven ‚Einzelkämpfer‘ tätig sind.“

3 Gedanken zu „Umfrage zur Situation der Archive in Sachsen: Personal

  1. Ich finde es richtig und sehr wichtig, Probleme in der heutigen Archivlandschaft offen zu benennen.
    Der tägliche Spagat der Archivare zwischen Mittelalterurkunde und digitaler Überlieferungsbildung ist mit dem kaum vorhandenen Fachpersonal nicht zu stemmen.
    Es ist daher völlig unverständlich, warum in Deutschland nur so wenige Archivare auf direktem Wege ausgebildet werden. Hinzu kommen die bis heute bestehenden „speziellen“ Einstufungen für Archivare in den Entgeltordnungen vieler Länder. Sachsen zählt leider mit dazu.

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